AGROMEX Geschäftsführer Franz Rembold zum Hochhausleitbild der Hauptstadt: Berlin soll geregelt in die Höhe wachsen

Was lange währt, wird endlich. Das gilt zumindest für das von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vorgestellte Hochhausleitbild für die Hauptstadt. Ob es dann auch ‚gut‘ wird, muss sich noch weisen. Die Entwicklung von Hochhäusern ist schon lange ein Thema in der rapide wachsenden Hauptstadt. Die kontinuierlich steigende Zahl der geplanten Projekte zeigt, dass der Bau von Hochhäusern wieder in den Fokus von Stadtplanern, Investoren und Entwicklern gerückt ist und dabei von Letzteren aktuell offensichtlich auch als wirtschaftlich interessant eingestuft wird. Das schon seit einigen Jahren geforderte und jetzt vorliegende Hochhausleitbild des Senats von Berlin soll diese Entwicklung nun steuern.

„Der Plan ist ein Bekenntnis Berlins zum Wachstum nach oben“, so die Senatsbaudirektorin. Oberste Prämisse ist dabei, dass die Berlinerinnen und Berliner von neuen Hochhäusern profitieren sollen. „Hochhäuser müssen gegenüber der Öffentlichkeit und der Gesellschaft einen Mehrwert erzielen. Das ist oberstes Ziel“, so Regula Lüscher.

Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit

So bringt der Plan Auflagen mit sich, die künftig für alle Entwickler gelten sollen. Das oberste Geschoss soll öffentlich zugänglich sein, zum Beispiel als Aussichtsplattform. Und auch das Erdgeschoss muss für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Hier könnten etwa gastronomische Angebote oder Räumlichkeiten für kulturelle Nutzungen entstehen.

Ab einer gewissen Höhe ist eine Mischnutzung obligatorisch

Die Erdgeschossräume sollen dabei mindestens zehn Meter hoch und repräsentativ sein. Für Hochhäuser mit mehr als 60 Metern Höhe ist eine Mischnutzung vorgesehen, reine Büro- oder Wohntürme soll es nicht mehr geben. Investoren, die Türme mit einer Büronutzung realisieren wollen, müssen also zukünftig auch andere Nutzungen einplanen. Sofern sie dabei einen Anteil Wohnungen planen, sind 30 Prozent der vorgegebenen Wohnungen auch künftig als Sozialwohnungen vorgesehen. Franz Rembold, Geschäftsführer der AGROMEX GmbH & Co. KG: „Die Sozialbindung des Wohnanteils ist nichts Neues. Im Rahmen vorhabenbezogener Bebauungspläne ist diese Anforderung altbekannt. Das ist sicher eine Herausforderung für die Kalkulation, denn Bauen in der Höhe ist nicht günstig.“

Keine Ausweisung bestimmter Gebiete – das Umfeld muss aber passen

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geht davon aus, dass mit den rasant gestiegenen Immobilienpreisen in der Hauptstadt auch das Investoren-Interesse gestiegen ist, in Berlin Hochhäuser zu bauen. Bestimmte Gebiete für den Hochhausbau werden in dem Leitbild jedoch nicht festgelegt. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass die Stadt einfach zu groß ist, um sich auf bestimmte Flächen zu beschränken. Außerdem soll vermieden werden, Bodenspekulationen anzuheizen. Fest steht aber, dass Hochhäuser zum Umfeld passen müssen. So könnten Hochhäuser nicht in Einfamilienhausgebieten entstehen. Auch städtebauliche Erhaltungsgebiete, Naturschutzflächen oder denkmalgeschützte Siedlungen fallen als Entwicklungsstandort raus. Zusätzlich sollen die Standorte gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sein.

Für Franz Rembold von AGROMEX sind Hochhäuser angesichts der Wohnungsnot in Berlin eine sinnvolle Option: „In einem städtebaulichen Kontext sind Hochhäuser flächeneffizient, haben einen kleinen „Fußabdruck“ und bringen in der Höhe eine große Anzahl von Wohnungen unter. Mit der durch das Leitbild geforderten Mischnutzung können so neue Stadtquartiere entstehen, die sich durch Vielfalt und Zugänglichkeit auszeichnen.“

Keine Höhenbegrenzung im Leitbild

Konkrete Höhenbegrenzungen sieht das Leitbild nicht vor, diese ergeben sich aber aus den Vorgaben des jeweiligen Bebauungsplans, der parallel zur Projektplanung erstellt werden muss. Normalerweise gelten alle Häuser über einer Traufhöhe von 22 Metern in Berlin als Hochhäuser. Von dem neuen Leitbild sollen aber nur solche Türme erfasst werden, die die Höhe der Umgebungsbebauung um 50 Prozent überschreiten. Das ist in der Regel ab einer Höhe von ca. 35 Metern der Fall.

Andere Qualitätskriterien, die erfüllt sein müssen, sind die Auslobung eines Architekturwettbewerbs, eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen und Ausgleichsmaßnahmen für die Belastung der Umgebung durch zusätzlichen Verkehr und Verschattung.

„Das neue Hochhausleitbild ist geeignet endlich Ordnung in die bislang verfahrene Diskussion um die Entwicklung von Hochhäusern in Berlin zu bringen“, so Franz Rembold von AGROMEX. „Es ist auch für Entwickler entscheidend, dass in diesem Zusammenhang nun verlässliche Regelungen vorliegen, die Planungssicherheit schaffen. Das Leitbild wird vielen Beteiligteninteressen gerecht und kann dafür sorgen, dass Berlin nun auch in die Höhe wachsen kann – und zwar an passenden Standorten und zum Nutzen der Menschen in unserer Stadt.“ Allerdings muss, so AGROMEX GeschäftsführerFranz Rembold, „sichergestellt werden dass es für die Interpretation des Hochhausleitbildes berlinweit einen einheitlich gültigen Maßstab gibt, da ansonsten zu befürchten ist, dass jeder Bezirk seine eigene Interpretation durchsetzt und somit die aus Investorensicht gewünschte Rechtssicherheit wieder in Frage stellt“. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Zuvor muss allerdings noch das Abgeordnetenhaus über das Leitbild abstimmen. Das soll Ende 2019 sein.

www.agromex.de

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